Marti Guxé Interview

marcus • May 30th, 2007

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Wie schätzt Du Deine Arbeit ein? Verhälst Du dich kritisch zum Designdiskurs oder arbeitest Du innerhalb des Designsystems?

Ich bin sehr kritisch gegenüber dem Design eingestellt, weil es sich selbst konzeptionell einschränkt. Das Design beruht zu sehr auf Formen ohne Inhalt. Wenn wir mal das Hardcore Design nehmen, da legen die Firmen zu viel Wert darauf, Produkte zu formen und zu verkaufen. Meiner Ansicht nach ist die Welt zu komplex geworden um sich auf die Form allein verlassen zu können. Man muss mit Erinnerungen arbeiten, mit Kontexten. Die Vorstellung vom Designer als einem Formgeber oder Problemlöser ist sehr einengend und nicht mehr zeitgemäß.

Lässt sich im Design eine Veränderung beobachten in der Hinsicht, dass das Design konzeptueller wird oder sich mehr in die Richtung Kunst entwickelt?

Vielleicht, das Ganze geht aber eher in die Richtung einer für mich uninteressanten Kunstwelt. Einige Designer gestalten ästhetische Objekte, gehen damit ins Museum und signieren die Stücke als Werke und Skulpturen, andere behandeln Möbel wie Luxusartikel. Im Kunstbereich fällt mir hingegen auf, dass immer mehr Menschen an der Gesellschaft als ökonomischer Struktur arbeiten, jedoch nicht im Kontext von Konsum. Ich als Designer oder Ex-Designer habe nach wie vor ein gutes Verhältnis zum Konsum. Allerdings möchte ich gute und intelligente Dinge konsumieren. Den Wunsch, sich außerhalb der Konsumgesellschaft zu befinden, kann ich nicht nachvollziehen. Jeder Einzelne sollte doch gegenüber dem Konsum einen Standpunkt beziehen.

Du akzeptierst also die Konsumgesellschaft, aber Du würdest sie gerne mit intelligenten und komplexen Produkten bereichern?

Heutzutage konsumieren die Menschen in hohem Maße romantische und idealistische Vorstellungen und das ist nicht mehr zeitgemäß. Mich interessiert eine Welt in der man frei von diesem Klischees ist. Die Vorstellung von Besitz ist meiner Meinung nach überholt. Es beschwert einen, man ist nicht beweglich oder kann nicht Dinge verändern. Was den Konsum von Objekten und Produkten anbelangt, nimmt die Nahrung den wichtigsten Stellenwert ein, da man sie kontinuierlich kaufen muss.

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(Quelle: Kunstforum Bd. 185)

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